18. Februar 2011

Windows Partition permanent in Ubuntu einbinden

Wenn man als Windowsnutzer Linux ausprobieren will, erstellt man meist eine kleine Partition für Linux und belässt die eigenen Dateien auf der Windows-Partition. Hier wird beschrieben, wie man diese Partition permanent in Ubuntu einbindet.

Vorgehensweise

Man öffne ein Terminalfenster mit Strg+Alt+T oder im Menü unter Zubehör. Dort führt man folgenden Befehl aus:

sudo blkid

Es werden die erkannten Partitionen aufgelistet, was in etwa so aussehen könnte:

/dev/sda1: LABEL=”Windows 7″ UUID=”68E6F8A5E6F874A2″ TYPE=”ntfs”
/dev/sda4: UUID=”7b7f17dc-4066-47a7-9866-2b27d79ef6f1″ TYPE=”ext4″
/dev/sda5: UUID=”e1c2da56-f0fc-4466-b576-3d3170253dce” TYPE=”swap”

Die Windows Partitionen erkennt man am TYPE=”ntfs”. Die UUID in dieser Zeile wird benötigt. Man kann sie markieren und mit strg+shift+C oder per Rechtsklick kopieren.
Danach öffnet man die Datei /etc/fstab mit einem beliebigen Editor:

sudo gedit /etc/fstab

Dort fügt man folgende Zeile am Ende ein:

UUID=68E6F8A5E6F874A2 /media/windows ntfs rw,auto,users,exec,nls=utf8,umask=007,gid=46 0 0

Wobei man die eigene UUID verwenden soll, die man vorhin ermittelt hat. Danach speichert und schliesst man die Datei.
Der Ordner, wo die Partition eingebunden werden soll muss noch erstellt werden:

sudo mkdir /media/windows

Dieser Befehl bindet alle Partitonen aus fstab erneut ein:

sudo mount -a

Falls das nicht klappt hilft ein Neustart.

Technische Erläuterung

Nun noch etwas langsamer, für die, die es interessiert.
Beim Starten von Ubuntu wird die Datei /etc/fstab gelesen und alle dort aufgelisteten Partitionen werden eingebunden. Um eine weitere Partition beim Startvorgang einzubinden muss man also nur eine Zeile in dieser Datei ergänzen. In dieser Zeile wird beschrieben welche Partition wo und wie eingebunden werden soll.
Die Zeile kann, wie oben, so aussehen:

UUID=68E6F8A5E6F874A2 /media/windows ntfs rw,auto,users,exec,nls=utf8,umask=007,gid=46 0 0

Mit der UUID bestimmt man die Partition, die man meint.
“/media/windows” ist der Ordner, wo der Inhalt dieser Partition anschliessend zu finden ist.
NTFS ist das Dateisystem der Partition. NTFS wird von Windows verwendet, kann aber, dank der Arbeit einiger Entwickler, von Linux gelesen und beschrieben werden. Das ist nicht selbstverständlich. Windows kann EXT4, das Dateisystem von Ubuntu, nicht lesen.
Anschliessend kommt eine liste der Optionen durch Kommas getrennt. Es sind dieselben Optionen, wie diejenigen des Befehls mount. Hier ist eine Liste dieser Optionen.
In diesem Beispiel wurden folgende Verwendet:
rw: read-write. Das Dateisystem wird als les- und schreibbar eingehängt.
auto: Einhängen erfolgt beim Systemstart.
users: Alle Benutzer können das Dateisystem ein- und aushängen.
exec: Skripte und Programme im Dateisystem sind ausführbar.
nls=utf8: Der Zeichensatz ist UTF-8, damit Umlaute korrekt dargestellt werden.
umask=007: Hier geht es um die Rechte. Der Besitzer und seine Gruppe darf alles (lesen, schreiben, ausführen) und der Rest darf nichts.
gid=46: Die Gruppe, der das Dateisystem gehören soll (Die Gruppe, die alles darf). 46 ist die ID der Gruppe “plugdev”, ihr gehören idR die externen Speichergeräte. Der Benutzer (Sie) ist Mitglied dieser Gruppe.
Anschliessend folgen zwei Nullen. Die erste heisst: Diese Partition wird nicht mit dump gesichert, falls man dieses Programm verwenden sollte. Die zweite Null bedeutet, dass das Dateisystem nicht regelmässig auf Fehler überprüft wird.

Mit dem anschliessenden “mount -a” wird derselbe Befehl ausgeführt, wie beim Start des Systems. Die Partitionen und deren Dateisysteme werden erneut eingehängt.

Zu diesem Thema gibt es auch einen detaillierten Artikel von ubuntuusers.de: Windows-Partitionen einbinden

Verknüpfungen erstellen

Die Windows-Partition und seine Dateien hängen an einem etwas umständlichen Ort, denn alle Programme, werden beim Durchsuchen des Dateisystems auf den eigenen Ordner zeigen unter /home/”Benutzername”. Die Bedienung fällt leichter, wenn die eigenen Dateien ebenfalls dort zu finden sind. Der folgende Schritt ist optional, aber empfehlenswert.
Am einfachsten ist es, Verknüpfungen zu den eigenen Dateien zu erstellen. Verknüpfungen funktionieren in Linux anders, als in Windows. Sie führen nicht nur zu dem Ort, wo die Dateien sind, wenn man darauf klickt. Stattdessen scheint sich der Inhalt der Verknüpfung tatsächlich an diesem neuen Ort zu befinden.
Ein Beispiel:
Man suche den Ordner mit den Bildern (Eigene Bilder) in der Windows-Partition und ziehe ihn mit Strg+Shift gedrückt zum eigenen Ordner in Ubuntu. Danach bennent man ihn um in “Bilder”. Den bestehenden Ordner Bilder kann man vorher löschen. Wenn man die Verknüpfung öffnet und danach noch einen Ordner, sieht man oben als Adresse folgendes:

/home/”Benutzername”/Bilder/”noch ein Ordner”

Eine Verknüpfung nach Windows-Art hätte uns stattdessen zu dem Ziel geführt:

/media/windows/user/”Benutzername”/Bilder/”Noch ein Ordner”

Es mag völlig unbedeutend für den Benutzer sein. Aber Programme, welche diese Dateien verwalten sollten, wie zB. dem Musikprogramm, können so auf die Dateien zugreiffen, als wären sie im eigenen Ordner in Ubuntu.
Wie gesagt, ist dieser Schritt optional und mag nur einen kleinen Vorteil bringen. Zumindest besteht jedoch die Möglichkeit.

Man kann auch die Ordner, die man häufig braucht zu den Lesezeichen hinzufügen, die dann auf der linken Seite im Datei-Manager erscheinen, indem man den Ordner einfach dorthin zieht.

Nachteile von Windows Partitionen

Obwohl das einbinden der Windows-Partition sehr gut funktioniert, sollte man sich früher oder später Gedanken machen, auf EXT4 zu wechseln. Ubuntu ist für EXT4 (bzw EXT3) geschaffen. Es ist, als müsse man Texte von Hand auf 5mm kariertem Papier verfassen, wenn man sich 4mm gewohnt ist. Es geht, es geht sogar nicht schlecht, aber man ist nicht ganz zufrieden damit. Im wesentlichen ergeben sich mit NTFS folgende Probleme unter Linux:
In Linux hat jede Datei einen Besitzer und eine Gruppe, die unterschiedliche Rechte haben, wie lesen, (-über)schreibe und ausführen. NTFS unterstützt dies nicht auf diese Weise, und die Art wie NTFS es tut, kann Linux noch nicht. Stattdessen wird das ganze Dateisystem mit einem Besitzer und einer Gruppe eingehängt. IdR funktioniert das aber ganz gut. Wer regelmässig Backups macht, dem könnte dies ein Dorn im Auge sein, da auch Zeitstempel nicht erhalten bleiben.
Auch ist NTFS unter Linux etwas langsamer, als das native Dateisystem. Der Geschwindigkeitsunterschied fällt jedoch erst auf, wenn man viele oder grosse Dateien verschiebt.
Zuletzt sind Windows- und Linux-Verknüpfungen nicht kompatibel und werden vom jeweils anderen System auch nicht als solche erkannt. Man kann aber ohne weiteres Linux-Verknüpfungen auf dem NTFS Dateisystem erstellen.
Dem gelegentlichen PC-Benutzer werden diese Nachteile kaum auffallen, weshalb es durchaus nachvollziehbar ist, wenn man es dabei belässt, insbesondere, wenn man ab und zu noch Windows benutzt und Zugriff auf die Dateien haben möchte.
Nachtrag: Ein Nachteil, der auch bei alltäglichem Gebrauch ins Gewicht fallen könnte, ist, dass Dateien von der NTFS Partition nicht in den Müll verschoben, sonder nur direkt gelöscht werden können. Es wird zwar immer nachgefragt, ob man die Datei wirklich löschen möchte, aber weg ist weg. Diese Erfahrung muss man meist schmerzlich machen. Backups wären ohnehin angebracht, wenn man wertvolle Daten besitzt.
Wahrscheinlich gibt es Möglichkeiten diesen Nachteil zu beheben. Darüber habe ich mich (noch) nicht informiert.

Weiterführende Informationen

Diesen Artikel habe ich verfasst, da ich gemerkt habe, dass dieses meist das erste Problem ist, mit dem man sich nach der Installation von Linux auseinandersetzt. Ich hoffe es hat geholfen.
Linux-Neulingen empfehle ich ubuntuusers.de. Die Seite verfügt über ein umfangreiches Wiki in dem auf deutsch erklärt wird, wie Probleme behoben werden können und was es als Einsteiger zu beachten gibt.

von David Glenck

IT + Ein Kommentar

Kommentare

26. August 2011 21:00

Norbert sagt:

Für diese Info bin ich richtig dankbar!!!